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LUDWIG CRAMER-KLETT

MEN OF STYLE

NAVYNEWS_Seit wann hast du eine Leidenschaft für Schuhe?

LUDWIG CRAMER- KLETT_Leidenschaft würde ich das nicht unbedingt nennen, sondern eher Liebe zu gutem Stil, zu echtem Handwerk, zu Qualität. Ich habe mir vor über 20 Jahren als Jüngling mein erstes Paar Pferdeleder-Slipper von Ludwig Reiter gekauft. Die sind mittlerweile total heruntergerockt, aber ich trage sie noch immer.

NN_Hattest du so etwas wie eine «Schuherziehung»?

LCK_In dem Umfeld, in dem ich aufwuchs, wurde mir Sinn für Tradition und Handwerk mitgegeben. Für mich spielt in allen Bereichen des Lebens Handwerk eine grosse Rolle, deshalb auch bei meinen Schuhen. Schon mein Grossvater trug gutes Schuhwerk, mein Vater auch immer super Schuhe. Meine Schwester ist gar eine klassische Schuhmacherin, sie hat einen Master in Schuhdesign gemacht. Die Liebe zur Qualität wurde uns auf jeden Fall beigebracht.

NN_Wie wählst du deine Schuhe aus?

LCK_Ich würde nicht jeden Schuh tragen: Ich mag die schmaleren – sie dürfen vorne nicht zu flach sein, das ist mir zu modisch, und nicht zu rund, das ist mir zu konservativ. Natürlich sind Italiener und Engländer die besten Schuhmacher. Italienische Schuhe sind feiner am Fuss und haben wirklich Stil.

NN_Hat sich dein Schuhstil im Laufe der Zeit verändert?

LCK_Na ja, ich hatte schon paar Ausrutscher, hab mir in früheren Lebensphasen auch mal Prada gekauft und dann doch nicht angezogen – weil es eben nur so ein Modeteil war. Ich kaufte mir damals auch Sneakers, weil es alle machten, trug sie aber nicht. Mittlerweile habe ich mit Sneakers meinen Frieden geschlossen, ziehe hin und wieder sogar welche an. Aber ich fühle mich wohler in Lederschuhen.

NN_Bist du bei deiner Kleidung auch so anspruchsvoll?

LCK_Jein. Ich gebe nicht mehrere Tausend Euro für einen Anzug aus. Klar, kann man machen, mir würde das nicht einfallen. Ich habe einen tollen Schneider in Berlin, der macht für mich Masskonfektion.

 

NN_Welche Stiltipps hast du für andere Männer?

LCK_Als Mann hat man meist nur ein kleines Set an Schuhen, die trägt man über Jahre. Da ist gute Qualität wünschenswert, allein schon den Füssen zuliebe.

NN_Welche Schuhe zum Anzug?

LCK_Zu einem Anzug trägt man selbstverständlich elegante Schuhe mit Ledersohlen. Gummisohlen gehen gar nicht!

NN_Was bevorzugst du im Sommer?

LCK_Sobald die Temperaturen wärmer werden, trage ich bis November keine Socken. Die mag ich eigentlich gar nicht.

NN_Hast du keine Sorge, barfuss deine teuren Lederschuhe zu ruinieren? Alle Männer haben Angst davor oder befürchten, sich die Haut wund zu reiben.

LCK_Nein, habe ich nicht. Meine Schuhe werden dadurch abgerockter, und das ist okay. Und meinen Füssen macht das überhaupt nichts aus. Die kennen es nicht anders.

NN_Schaust du auf die Schuhe anderer Männer? Was stört dich da?

LCK_ Ja, klar. Wenn jemand einen hässlichen oder abgetragenen Schuh anhat, dann registriere ich das sofort. Dann denke ich, er hat keinen Stil. Natürlich weiss ich, dass es schwierig ist, jemanden nach seinen Schuhen zu beurteilen. Wenn ich aber einen Geschäftsführer hätte, der mich vertritt, dann wäre es problematisch, wenn er kein Gefühl für tolle Schuhe hätte.

NN_Und bei Frauen? Gelten dieselben Kriterien?

LCK_ Bei Frauen stören mich miese Schuhe genauso. Klar wollen Frauen auch mal modische Schuhe, die wenig kosten. Aber es muss immer geschmackvoll sein. Mich stört billiger Stil bei Frauen enorm.

NN_Du bist ein halber Schweizer, hast lange in Zürich gelebt und gearbeitet, wie würdest du auf einer Skala von 1 bis 10 den Stil der Schweizer bewerten?

LCK_ Die Schweizer sind natürlich alle super gestylt. Ich finde aber, oft ist es zu viel des Guten, etwas zu gewollt.